Zwei Artikel aus der Westfälischen Rundschau im Januar 1991:

DPWV Hagen feierte 90. Geburtstag seiner Gründerin Grete Blickle
Seit 40 Jahren ehrenamtlich engagiert
Hagen (kat) Den 90. Geburtstag seiner Ehrenvorsitzenden Grete Blickle feierte am Sonntag der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) im Saal der Martin-Luther-Gemeinde. Die Gründerin der Kreisgruppe Hagen und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes kann auf 40 erfolgreiche Jahre ehrenamtlicher Tätigkeiten zurückblicken: Seit mehr als 30 Jahren ist sie neben dem Aufbau der Sozialarbeit in den Bereichen Alten- und Familienerholung, Essen auf Rädern und auch für die Altentagesstätte verantwortlich
Bereitsvon 1948 bis 1964 engagierte sich Grete Blickle auf dem Gebiet des Jugendschutzes. Sie gehörte mehrere Jahre lang dem Vorstand der Nordrhein-Westfälischen Landesstelle für Suchtgefahren sowie der Landes- und Bundesarbeitsstelle "Aktion Jugendschutz" an. Die Verdienste der 90jährigen auf überregionaler Ebene würdigte für den Landesverband dessen Mitglied Dr. Hans Küsel
"Wir sind Frau Blickle zu großen Dank verpflichtet," sprach der Vorsitzende der DPWV-Kreisgruppe Hagen für alle Anwesenden. Zahlreich waren Freunde und Mitarbeiter erschienen, um der Jubilarin zu gratulieren. Die Gesangsgruppe des Paritätischen Wohlfahrtsverbands brachte dem Geburtstagskind ein Ständchen.


Ex-Lehrerin Margarete Blickle trug immer auf zwei Schultern
57 Jahre Kampf dem Alkohol:
"Hier wurde viel gesüppelt!"

Hagen. (db) "Du hast keine Chance, aber nutze sie" - der markige Buchtitel im Regal liest sich, als gäbe John Wayne jugendlichen Pistoleros literarische Tips zum Thema "Revolverduelle - leicht gemacht". Aber da stehen auch Werke über Sexismus, Emanzipation und Frauenkriminalität neben denen von Lenz und Goethe: Die verschiedenen Buchinhalte vermischen im Arbeitszimmer von Margarete Blickle die Jahrzehnte. Ein neueres Buch über Rausch und Realität" trifft bei ihr ebenfalls auf Sachverstand:
Die heute 90jährige Seniorin erweiterte bereits 1933 den Hagener Kulturbegriff um das Wörtchen "alkoholfrei". Da gründete sich nämlich in der Volmestadt der "Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur". Margarete Blickle wurde schnell die Vorsitzende. Ihr Engagement schien vonnöten. Denn: "Der Intelligenzquotient war relativ gering hier in der Gegend!"
Die Füllerpatronen auf dem alten Schreibtsche haben ihren Platz, die Geschäftsbücher und Abrechnungsblocks türmen sich ordentlich. Über allem thront eine frische lachsfarbene Rose. Als die Gymnasiallehrerin Anfang der 30er Jahre nach Hagen zog, um als Volksschullehrerin zu arbeiten, wußte sie warum. Die Pädagogin:"Höhere Blagen aus gutsituierten Ständen können ein fieses Volk sein."
Von nun an spielte sich ihr Leben zwischen zwei Polen ab - vormittags rackerte sie für die Kinder, nachmittags kämpfte sie mit Vorträgen und in Seminaren gegen Promille: "Hier wurde viel gesüppelt. Wenn ich um eins aus der Schule kam, wechselte ich nur die Tasche." Immer unterwegs, "aber ich war ja gut zu Fuß unter der Nase." Grete Blickle gab Kurse über "Gärungslose Fruchtverwertung" und übte mit den Hausfrauen den Gebrauch von Dampfentsaftern. Das Ergebnis waren unvergorene Säfte, die trotzdem haltbar waren. Von denen konnten die Kinder naschen, ohne sich - sie tippt an die Stirn - frühzeitig "ihren Verstandskasten" zu lädieren.

Grete Blickle, die als Konrektorin die Volksschule Altenberg 1968 Richtung Ruhestand verließ, ist sich sicher:: "So ganz schlecht kann ich nicht gearbeitet haben." Ihrer Zeit im Hagener Vorstand des Frauenbundes folgte die Zeit als Bundesvorsitzende. Als Vorsitzende des Weltbundes machte sie weite Reisen bis nach Indien, Mittel- und Nordamerika. Erst vor einem Jahr hat sie den Hagener Vorsitz abgegeben. Lange Jahrzehnte trug sie das Banner im Kampf gegen die Alkoholfahne und ging selbst mit gutem Beispile voran: "Seit 1933 habe ich keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Und vorher in dem Sinne auch nicht....!"