Vorwort

"Typisch weiblich!?" - Wege aus Abhängigkeiten - Von Frauen für Frauen

Persönliche Berichte und Lebenserfahrungen von Menschen, die von einem spezifischen Problem oder einer Erkrankung betroffen sind, haben auf andere eine sehr große Wirkung und sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung. Solche Berichte sind meist lebendig und "ungeschminkt" , subjektiv - und sie bieten anderen Betroffenen Möglichkeit, sich - wieder - zu erkennen, Mut zu bekommen, Hilfen in Anspruch zu nehmen usw.

Dieses Wissen und die eigene Erfahrung als Frauen, die selbst oder als Angehörige von einer Suchterkrankung betroffen sind, haben uns auf die Idee gebracht, eine Broschüre zu erstellen, in der Frauen zu Wort kommen. "Frau und Sucht" sind immer noch eher "leise" Themen - Frauen leiden und trinken oft "still vor sich hin". Sie schämen sich in der Regel, offen über ihr eigenes oder über das Suchtproblem ihres Partners zu sprechen. Das erleben und erfahren wir immer wieder in unserer täglichen Arbeit.

In vielen Gesprächen mit Frauen aus den Ortsgruppen des Verbandes tauchte wiederholt der Gedanke auf, unsere eigenen Erfahrungen als selbst suchtkranke oder als angehörige Frau auf zu schreiben. Wir wollten schildern, wie wir unseren Weg aus der Abhängigkeit gefunden haben, und damit andere Frauen in solchen oder ähnlichen Lebenssituationen Mut machen.

Ich freue mich sehr, dass so viele Frauen aus den Reihen des Deutschen Frauenbundes für alkoholfreie Kultur e. V. bereit waren, sich auf dieses Wagnis einzulassen und ihre Geschichte für eine Broschüre aufschreiben wollten.

Von der Idee zur Umsetzung

Im Juli 2010 war es soweit! Wir haben uns zu einem Wochenendseminar in Form einer Schreibwerkstatt getroffen. Doch nun mussten und wollten wir unser Vorhaben realisieren und unsere Geschichten auch zu Papier bringen. Als der Termin näher rückte, schien uns fast der Mut zu verlassen. Obwohl die beteiligten Frauen im Vorfeld auf diese Aufgabe vorbereitet waren, kamen dann doch die Zweifel: "Das kann ich nicht" - "So etwas habe ich noch nie gemacht" - "Womit fange ich an?" - " Ich kann überhaupt nicht etwas über mich erzählen!" usw.

Durch diese Äußerungen wuchsen meine Bedenken, ob es wohl möglich sein würde, am Ende der Schreibwerkstatt ein brauchbares Ergebnis für unsere Broschüre vorliegen zu haben.

Doch im Laufe des Wochenendes zeigten sich mal wieder die Stärken von Frauen, wenn sie ermutigt und ernst genommen werden. Die Struktur der Schreibwerkstatt gab uns die Chance, Orientierung und Sicherheit, unsere bisher unentdeckten Fähigkeiten zu entdecken. Unter fachkundiger Leitung lagen am Ende des Workshops druckreife Lebensgeschichten der einzelnen Frauen vor – die uns alle auch heute noch sehr beeindrucken.

In dieser Broschüre erfahren Sie also!

Wie Frauen unterschiedlichen Alters in sehr verschiedenen Lebenszusammenhängen in den Teufelskreis einer Suchterkrankung geraten sind und
wie Partnerinnen von suchtkranken Männern sich in Beziehungen verstricken können und wie es all diesen Frauen gelang, Wege aus ihrer jeweiligen Abhängigkeit zu suchen und zu gehen.

Das Fazit lautet bei allen: Es lohnt sich, diesen Weg zu gehen! Deshalb möchten wir alle Leserinnen und Leser an diesen Mut machenden Erfahrungen teilhaben lassen.

Wir wünschen und hoffen, mit unseren Erfahrungen vielen Frauen einen Anstoß zu geben und Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu gehen - wie auch ich meinen Weg aus der Abhängigkeit vom Alkohol und zu einem zufriedenen und ausgefüllten Leben ohne Alkohol gefunden habe. Auf diesem Weg hat mich der Deutsche Frauenbund für alkoholfreie Kultur e.V. mit seinen vielen Angeboten und Entfaltungsmöglichkeiten für jede einzelne Frau gestützt.

Wir freuen uns, dass Sie diese Broschüre in der Hand haben und wünschen Ihnen, dass auch Sie sich ermutigt fühlen werden!

Ihre

Ursula Krämer
Bundesvorsitzende