Appelle allein reichen nicht
Alkoholmissbrauch: Suchtexperte fordert 1 Milliarde Euro für Prävention
[dpp, WP 29. Dezember 2009,]

Hamm. Angesichts des dramatischen Anstiegs der Zahl total betrunkener Kinder und Jugendlicher fordert der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, "endlich wirksame Gegenmaßnahmen".
Seit zehn Jahren steige die Zahl der mit Alkoholvergiftungen in Krankenhäuser eingelieferten jungen Menschen, "und jedes Mal gibt es schnell verpuffende Appelle zu mehr Prävention", sagte Gaßmann. Angesichts einer Verdreifachung der Fälle stationär behandelter betrunkener Kinder und Jugendlicher seit 2000 müsse die Politik jetzt endllich handeln. Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 25 700 Kinder, Jugendliche und Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund Alkoholmissbrauchs stationär betreut.
Wenn "wir dem Einfluss der Alkoholwerbung auf das sehr förderliche Konsumklima begegnen wollen, brauchen wir Geld", sagte Gaßmann. In Alkoholwerbung werde in Deutschland jährlich eine Milliarde Euro investiert, in Prävention hingegen nur etwas mehr als 30 Millionen Euro. Unter diesem Gesichtspunkt sei der Kampf z.B. gegen das beliebter werdende Koma-Saufen völlig aussichtslos, mahnte Gaßmann. "Wenn wir dem Alkoholmissbrauch durch Prävention wirklich begegnen wollen, brauchen wir auch eine Milliarde Euro, um wie die Alkoholwerbung Tag und Nacht, an jeder Ecke, in jedem Kino und im Fernsehen präsent zu sein."