Gebildet und sorglos
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), beklagte in Berlin, dass es auch über erwachsene Trinkerinnen zu wenige Studien gebe. Derzeit sind 370 000 Frauen in Deutschland alkoholabhängig, bei 1,3 Millionen Alkoholikern insgesamt. Neben den unter 20-Jährigen seien vor allem die 45- bis 54-jährigen Frauen gefährdet: Jede Fünfte trinkt mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Das entspricht etwa einer großen Flasche Bier oder einem großen Glas Wein.
Eine Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) hatte im letzten Jahr gezeigt, dass gerade gebildete Frauen deutlich sorgloser mit Alkohol umgehen: 27 Prozent der Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen, aber nur 18 Prozent der unteren Bildungsgruppe griffen regelmäßig zur Flasche. In dieser letzten Gruppe finden sich auch die meisten Frauen, die komplett auf Alkohol verzichten. Aus der ketzten großen RKI-Jugendstudie weiß man zudem: Mädchen mit Migrationshintergrund trinken insgesamt seltener und weniger als ihre deutschen Altersgenossinnen.
Eine wichtige Rolle spilet das Trinkverhalten der Mutter: Nur zwei von zehn Frauen gelingt es, in der Schwangerschaft gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Mindestens so schwerwiegend wie die vorgeburtlichen Schäden sind allerdings die Alltagsbelastungen von Kindern mit trinkenden Eltern. Besonders dramatisch sind die Zahlen bei Mädchen, deren Mutter bereits alkoholkrank ist. Während Jungen hier offenbar widerstandsfähiger sind, steigt das Risiko für Mädchen in solchen Familien um das 16-fache.